Die Backsteingotik in Hamburg

Die Backsteingotik in HamburgDie Hansestadt Hamburg ist berühmt für seine roten Mauersteine, oftmals „Backsteingotik“ genannt. Was viele gar nicht wissen, der Ursprung stammt tatsächlich aus der gotischen Zeit.

Die „Gotik“ ist eine Epoche der europäischen Architektur des Mittelalters. Sie entstand um 1140 und währte nördlich der Alpen bis Anfang des 16. Jahrhunderts.

Generell steht die „Gotik“ für eine Zeit, in der die Bevölkerung anstieg, man sesshafter wurde, immer mehr Städte gegründet wurden, eine Handwerkerschicht entstand, Zünften gebildet wurden und in dieser Zeit hat auch die Geldwirtschaft begonnen. All diese Tatsachen waren die Voraussetzungen für den Wandel der Bauwerke.

Ab dem 12. Jahrhundert waren die Gebäude vor allem von einem technischen Aufbruch und von geistigen Ansprüchen geprägt. Gerade an den heute noch erhaltenen Kirchengebäuden erkennt man diese enorme Wandlung von der „Romanik“ zur „Gotik“. Soweit es die Statik zuließ, wurden die massiven Wände aufgerissen, monumentale Glasfenster ersetzten, Steinwände und Türme ragten in dem Himmel entgegen. Die Grundvoraussetzungen, um diese Höhen zu erreichen, waren Skelettbauten und Kreuzrippengewölbe mit tragenden Konstruktionsgliedern wie Spitzbögen und Strebepfeilern. Und, die Gotik war eine Epoche mit sehr viel Symbolik aus der Christlichen Welt.

Der „Limburger Dom“ ist ein typisches Übergangsbauwerk von der „Romanik“ zur Gotik“.
Der „Kölner Dom“ oder die „Notre-Dame“ in Paris sind typische gotische Bauwerke.

Nun geht unsere „Hafenrundfahrt Hamburg“ allerdings nicht bis nach „Limburg“ oder „Köln“ und schon gar nicht bis in das bezaubernde „Paris“. Wir bleiben auf unseren Hafenrundfahrten im „Hamburger Hafen“.

Allerdings - vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass diese eben beschriebenen Bauwerke mehr im süd- oder im mitteleuropäischen Raum zu finden sind.

Im Norden bzw. in Norddeutschland gab es keine ausreichenden Natursteinvorkommen. So war man darauf angewiesen, Alternativen zu suchen. Die norddeutsche Alternative hieß „Backsteinziegel“. Das Ausgangsmaterial für die Ziegelherstellung war Lehm, der im norddeutschen Flachland reichlich vorhanden war. Dieser Backstein hat sich ideal als Ersatzbaustoff für den Naturstein entwickelt. Außerdem ließ sich dieses Baumaterial sehr leicht auf der Elbe und auf der Weser transportieren.

Durch das Fehlen der Natursteine hier im Norden gab es hier allerdings auch weniger Steinmaterial, um die typisch gotischen Ornamente wie z.B. Filialen, Maßwerke oder Kreuzblumen aus den Steinen zu Bildhauern. Figurative Bauplastiken waren mit Backsteinen halt nicht zu realisieren. Die gotischen Bauwerke im Norden sind von daher sehr viel schlichter, als gotische Bauwerke im süddeutschen Raum. Trotzdem ersetzte dieser Baustil ab dem 12. Jahrhundert die Holzbauten, die bis dahin in Norddeutschland dominiert hatten.

Die Backsteingotik ist also eine Bauweise der Gotik, die überwiegend in Norddeutschland, in Skandinavien und im Ostseeraum verbreitet ist. Gerade auch Städte aus dem historischen Verbund der alten „Hanse“, wie z.B. Lübeck oder Wismar, weisen sehr viele Gebäude mit diesen typisch roten Backsteinhäusern auf.

Leider gibt es auf Grund vieler neuzeitlicher Katastrophen nur noch sehr wenige Hamburger Gebäude, die aus der Zeit der „Gotik“ stammen. Das älteste noch erhaltene Bauwerk Hamburgs ist der „Leuchtturm Neuwerk“, der im Jahre 1310 fertig gestellt wurde.

Jetzt dürfen Sie gerne staunen…
… „Neuwerk“ ist eine bewohnte deutsche Insel im südöstlichen Teil der Nordsee und gehört zum Hamburger Stadtgebiet.

Auch in der Neuzeit wurde dieser Backsteinbau oftmals übernommen. Ein ganz typischer Hamburger Backstein-Komplex ist die „Hamburger Speicherstadt“ (eingeweiht 1888 unter „Kaiser Wilhelm II“).

By the way – die Hamburger Speicherstadt ist auch der Start- und Ankunftspunkt bei unserer „Hafenrundfahrt Hamburg“.

Aber auch gerade Anfang des 20. Jahrhunderts erlebten Baumaterialien wie der Backstein ein großes Comeback. Hier spricht aber nun vom „Backsteinexpressionismus“. Gerade in dem 20-zigern wurden sehr viele Hamburger Gebäude in dieser Architektur gebaut.

Der „Backsteinexpressionismus“ entstand in etwa zur gleichen Zeit wie der „Bauhausstil“. Während man beim „Bauhaus“ auf jegliche Verzierungen verzichtete, wurden in der expressionistischen Architektur gerne mit spitzen und kantigen Elementen gespielt, die eine gewisse Dynamik ausdrücken sollten.

Eines der bekanntesten Hamburger Gebäude dieser Art ist mit Sicherheit das „Chilehaus“ (Architekt: „Fritz Höger“). Erbaut wurde dieses berühmte Kontorhaus im Hamburger Kontorhausviertel von 1922 – 1924.