Hamburgs Zollfreihafen

Hamburgs ZollfreihafenWenn Sie heute nach dem Zollfreihafen Ausschau halten, werden Sie vergebens nach den Grenzen suchen. Seit dem 1. Januar 2013 ist er Geschichte.

Noch vor einigen Jahren waren Touristen in Hamburg völlig überrascht, wenn Sie arglos von der Speicherstadt über die Brücken in die Hamburger Innenstadt fuhren und an einer Zollgrenze plötzlich angehalten wurden. Es konnte schon passieren, dass man nach Zigaretten oder nach Alkohol gefragt wurde und stichprobenartige Kofferraumkontrollen waren auch keine Seltenheit.

Ein Ausland mitten im Inland – für die Hamburger Einwohner war es Normalität, für den gemeinen Touristen eher eine äußerst erstaunliche Erfahrung.

Begonnen hat diese Entwicklung schon für über 800 Jahren. Am 7. Mai erhielt Hamburg vom „Kaiser Friedrich Barbarossa“ einen Freibrief. Darin ist die Zollfreiheit für die Hamburger Kaufleute auf ihren Fahrten zwischen der Nordsee und Hamburg gewährt. Auch wenn es sich bei der im Hamburger Staatsarchiv aufbewahrten Urkunde wahrscheinlich um eine Fälschung handelt, Barbarossas mündliche Zusagen waren somit der Beginn für die Entwicklung des Hamburger (Frei-)Hafens.

Der 7. Mai wird von daher noch immer mit einem imposanten Hafengeburtstag gefeiert.

Die entscheidenden Privilegien bekam Hamburg aber zur Gründung des Deutschen Reiches. Als Gegenleistung für die Eingliederung in das Deutsche Zollgebiet erhielt Hamburg am 26. Mai 1881 den sogenannten Zollanschlussvertrag, so dass Teile des Hamburger Hafens als Zollausland galten. Das klang zwar gut, aber einen wirklichen Bezirk gab es noch gar nicht. Innerhalb weniger Jahre wurde ein komplett neuer Lagerhauskomplex geschaffen. Barocke Wohnviertel wurden abgerissen und die heutige Speicherstadt wurde gebaut.

Endgültig in Kraft trat der Vertrag im Jahre 1888. Am 15. Oktober 1888 wird Hamburg Teil des deutschen Zollgebiets. Mit Kaiser Wilhelm II wurde der Hamburger Freihafen feierlich eingeweiht.

Dieser Freihafen trug von nun an enorm zum wirtschaftlichen Aufschwung Hamburgs bei. Waren konnten zollfrei zwischengelagert, bearbeitet und wieder verschifft werden.

Das ist mit Sicherheit auch einer der Gründe, warum die Hamburger Speicherstadt zum größten Lagerhauskomplex der Welt angewachsen ist. Gerade verderbliche Waren wie Kaffee, Kakao, Gewürze usw. wurden hier zollfrei zwischengelagert.

Die ersten Änderungen leitete 1992 die schrittweise Einführung des „Europäischen Zollkodexes“ ein. Auf Grund des neuen europäischen Zollrechtes wurden viele zollfreie Lagerungen in Speichern und Schuppen überflüssig. Noch blieb der Freihafen zwar bestehen, doch verlor er nun seinen Zollauslandsstatus und wurde als Freizone Teil des Zollgebietes der EU. Die Speicherstadt wurde ausgegliedert und die neuen Grenzen des Freihafens beschränkten sich nur noch auf den „Waltershofer Hafen“, auf den „Steinwerder Hafen“ und auf den „Kleinen Grasbrook“. Das Ganze machte dann nur noch etwa 20% des Hafengebietes aus.

Die Zölle spielen heute im internationalen Warenverkehr aber nur noch eine relativ geringe Rolle. Vor allem aber wird im Hamburger Hafen der mittlerweile größte Teil der Waren für den Weitertransport in andere Länder der Europäischen Union umgeschlagen. Die meisten Güter bleiben damit sowieso innerhalb des gemeinsamen Zollgebietes.

Um vielen Logistikunternehmen die Arbeiten zu erleichtern und vor allem, um die täglich endlosen LKW-Staus am Ausgang des Freihafens zu beenden, wurde beschlossen, den Freihafen endgültig abzuschaffen, d.h. die Ware muss grundsätzlich direkt beim Löschen eines Frachters verzollt werden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Logistikunternehmen erhalten die Möglichkeit, spezielle Zollläger einzurichten.

Mit Beginn des Jahres 2013 sind die Hamburger Freihafengrenzen gefallen. Die Zäune und Zollhäuser wurden abgebaut und bei einer Fahrt von der Hamburger City durch die Speicherstadt in Richtung Veddel gibt es keine Probleme mehr.

Kaiser Friedrich Barbarossa“ begann…
Otto von Bismarck“ baute aus…
Der Hamburger Senat“ beendete…

…über 800 Jahre währende Freihafenzone in Hamburg.

Was bleibt – das mit Sicherheit das Verständnis für die Globalisierung. Aber ein bisschen Wehmut kommt bei vielen Hamburgern auf, wenn man in alten Krimiserien den ein- oder anderen VW-Käfer sieht, der sich mit geschmuggelter Ware über die innereuropäischen Grenzen im Hamburger Hafen schleicht.

By the way – auf unserer Hafenrundfahrt Hamburg lassen wir die alten Grenzen gerne wieder zum Leben erwecken.